Ich kenne ihn nunmehr seit gut 15 Jahren, den quirligen "Hans Dampf an allen Kesseln" Rami Ali. Vielleicht war dies einer der Gründe, warum das Interview mit dem Heavy-Drumgott aus Fürth-Burgfarrnbach, der in Sachen Eigenwerbung die Trommeln ganz leise klingen lässt, so angenehm verlief.
Eigentlich wollte er nach dem Abitur zunächst Englischlehrer werden und drückte sich hierfür auch drei Jahre lang durch sämtliche Erlanger Hörsäle. Doch schon damals hatte er mehr oder weniger nur ein Ziel im Kopf, nämlich von der Musik, die er bis dato hobbymäßig betrieb, einmal leben zu können.
"Emergency" hieß seine erste auftrittsfähige Band. Kurze Zeit später heuerte er bei der Nürnberger Heavy-Prog-Combo "Getaway" an, für die er sieben Jahre lang die Knüppel schwang. Zur selben Zeit hatte er diverse Side-Projects wie z.B. "Vacancy", Dieter Roth´s "Steam" und "Big Apple" am Start. Und so ganz nebenbei, mit viel Gependle zwischen Österreich und Nürnberg, studierte er noch ein Jahr Schlagzeug in Wien. Diese Mühe brachte ihm den Titel Diplomschlagzeuger ein.
Nach eigenem Bekunden würde Rami sich gerne mal in einer Fusion oder Popband beweisen, aber die meisten Angebote kamen und kommen aus dem Heavy-Bereich. Kein Wunder, denn wer Rami Ali wie ich schon live erleben durfte, kann sich dieses Energiebündel nur schwer in einer Funkband vorstellen.
Überraschend bekam er dann im Jahre 1995 das Angebot, eine CD für Abi von Reinighaus einzuspielen (Abi ist Kolumnist bei der Musikerzeitschrift "Gitarre und Bass" und war außerdem Bassist bei Al Bano und Romina Power). Zur gleichen Zeit zeigte sich Rami außerdem für die Schlagzeugarbeit bei Robby Böbels Band "Frontline" verantwortlich. Wochenende für Wochenende konnte man ihn damals darüber hinaus auch live bei der Coverband "Carswell" bewundern, der er dreieinhalb Jahre lang angehörte. Erstmals verdiente er hier durch den Coverjob und durch seine Arbeit als Schlagzeuglehrer bei Basement Music regelmäßig Geld durch die Musik. 1996 wurde Rami stolzer Vater einer Tochter, "Rabea" spielt seither die Hauptrolle in seinem Leben. Nachdem sich "Carswell" aufgelöst hatte, war Rami das erste Mal seit Jahren für ca. vier Monate ohne Band. Dann rührte er kurze Zeit die Stöcke für die Coverband "Race" und hatte währenddessen das Angebot, bei der "Böhsen Onkelz" Coverband "Terpentin" einzusteigen. Der Spitzendrummer jordanischer Herkunft lehnte dieses sicher lukrative Unterfangen jedoch dankend ab.
Kurz danach meldeten sich bei ihm zwei weitere Coverbands. "Fuck" und "Justice" suchten schlagkräftige Unterstützung. Ali entschied sich für "Justice" und er tat gut daran, denn seit "Getaway" hatte er keine Band mehr gefunden, in der das Betriebsklima so gut war wie hier. Rami wurde ungehört genommen und ersetzte den alten "Justice" Schlagzeuger Iain Finley binnen kürzester Zeit. Mit just dieser Band tourte Rami nun kreuz und quer durch Süddeutschland (bis heute ca. 120 Auftritte pro Jahr!) und jobbte unter der Woche als Verkäufer für LKW Teile. Das Touren brachte ihm unwahrscheinlich viel Routine und die in diesem Business nötigen Connections ein, welche ihn dieses Jahr zum Tourschlagzeuger der Melodicrockband "Evidence One" machten. So reiste er im Vorprogramm von "Saxon" durch England, Belgien, Schweiz und Deutschland. Rami wurde während dieser Zeit vom Drummerkollegen Daniel Zimmermann bei "Justice" ersetzt.
Seit dieser Tour raucht bei Rami Ali das Telefon, und so meldete sich auch Ex- "Iron Maiden" Frontmann "Blaze Bailey" bei ihm. Blaze hin, Bailey her, Rami trommelte erst kürzlich in "Good old England" auf dem "Gods of AOR" mit "Evidence One". Mit von der Partie waren hier u.a. Talisman, Royal Hunt und Bob Catley.
In Deutschland kann man den vielbeschäftigten Drummer aber immer noch sehen, denn seiner Familie, der Band "Justice", die dieses Jahr 15-Jähriges Bestehen feiert, bleibt er treu. Sicherlich wird Drummoholic Ali außer bei Ramis Trommelschule, Fade, Frontline, Justice und Evidence One noch in weiteren Projekten zu finden sein. Bands wie Shylock, Whisper and Cry, Paradox und LMA vertrauten und vertrauen auf seinen einzigartigen, powervollen Schlagzeugstil.
Wie bereits erwähnt, genießt "Justice" dabei aber absolute Priorität, auch wenn die Band nach seiner Tocher Rabea nur die zweite Geige im Leben des Trommlers Ali spielt.