Das britische Label Ninja Tune lässt dieses Frühjahr die globalen Plattenteller so richtig rotieren. Gleich zwei Alben von DJ Food (Recipe For Disaster, Refried Food-Remixes) und der zweite Break der genialen Werkschau "Ninja Cuts Vol.2 - Flexistentialism" kommen auf den musikalischen Gourmet-Markt. Via Rough Trade frisch auf´m Tisch! Dr. Tee traf mit Chefkoch Jonathan More im Hirsch am Buffet zusammen.
„Die Philosophie, die hinter Ninja Tune steht?" lächelt J. More milde, „da lass´ uns zuerst einmal das hier rollen". Und damit nimmt er einen kleinen grünen Papierfolder in seine flinken DJ-Finger, rollt ihn mit verschwörerischer Miene auseinander und beginnt vorzutragen.
Seine Geschichte, die Historie seines Labels Ninja Tune, die Story vom ersten unschuldigen Beat im Garten Eden, von der Vertreibung aus dem Paradies mit Coldcut und von der Geburt der Ninja Skills.
"Als wir den Stress mit den Anwälten der großen Major-Companies hatten, als Coldcut uns trotz der großen Erfolge zum Hals heraus hing, da beschlossen Matt Black und ich, Ninja Tune als unser eigens Label zu gründen. Wir wollten totale Unabhängigkeit und nur noch veröffentlichen, was uns wirklich gefällt."
"So haben wir zunächst unter dem Namen DJ Food vor fast sechs Jahren mit der "Jazz-Brakes" Serie angefangen, deren Stücke eigentlich als reine DJ-Tools geplant waren." Jetzt beginnt More bereits zu schwärmen. "Aber wegen der großen Resonanz und der Bitten unserer großen Anzahl an Freunden wuchs das ganze dann einfach unkontrolliert weiter."
Aus dieser Antihaltung wurde also im Laufe der Zeit eine echte Alternative zu den großen Firmen, die jetzt natürlich schon wieder anfangen, ihre Krallen nach den Ninjas auszustrecken. "Wenn unsere Acts gehen wollen, werden wir ihnen keine Steine in den Weg legen, aber für Matt und mich gibt es momentan keinen Weg zurück ins Major-Geschäft. Dafür sind die Wunden noch zu frisch."
Ninja Tune haben diesen Namen nicht blind ausgewählt, denn sie "arbeiten am liebsten im Verborgenen", greifen dafür aber mit "umso größerem Erfolg an."
Auf dem zweiten Label von More und Black, genannt N-Tone, tummeln sich die experimentelleren Acts, zwischen dem Slogan "Tone Tales From Tomorrow" pendeln Ambient-Beats und Industrial-Scratches.
Und Hex ist die zu den Ninjas gehörige Multi Media-Firma, die sich um CD Roms, Videos und virtuelle Künste kümmert.
"Ninja Tune ein Trip Hop Label?"
"Klar passt diese Schublade, der Bergriff ist so übel gar nicht" erläutert More, während er seine Platten für sein bevorstehendes DJ-Set sortiert, " die Beats sind trippy und Hip Hop ist in Ordnung, aber eigentlich kann man unseren Sound auch ebenso gut Acid Jazz nennen. Denn in Wahrheit ist es purer Funk. Funk ist die Großmutter aller guten Beats."
Großmutter, warum hast Du so große Ohren?