16 Hell Ventiler

Musik aus der Bier- und Bauchlaune oder philosophisch: Die Leichtigkeit des Seins

Mit den Jungs der Ventilatoren ist es zunächst sehr schwer, richtig ins Gespräch zu kommen. „Die besten Riffs kommen aus Neustadt!“ ist so ein Statement, das irritiert. „Uns ist der Groove am wichtigsten“, ein Zweites. Doch dann kommen wir ins Gespräch und ich spüre, dass hinter den Bauch- und Bierlaunen ein klares Konzept steht. Auch dass, wenn man sich seit Jahren kennt, nicht mehr alles ausgesprochen werden muss. Bei den Ventilators stimmt die Chemie - was das ist, kann wohl niemand erklären.

Mit Concrete Jungle war man schon mal ziemlich weit, aber als Michl die Band verließ, den man heute als Special Guest gern mit auf die Bühne lässt, kam der große Umbruch. Die Bandmitglieder, wissen, dass sie keine „Herzensbrecher“ sind und sich schon gar nicht in die Maske abordnen ließen, wenn plötzlich der ganz große Durchbruch da sein sollte. Ein Boygroup-Gehabe wird eben nicht mehr anvisiert, die Band setzt voll auf den Impulsgeber „Bauch“. Sie beschlossen, eben ohne Michl weiterzumachen, das ganze Casting zu umgehen und setzen aus der Not neue Axiome: Halftime ist nicht mehr. Wenn 2 Riffs nicht grooven, schmeißen wir sie weg. „Wir machen uns doch nicht den Turbo-Kopf“, fügt Drummer Uli Schirl ein. Sie wissen, dass sie so gut harmonieren, dass es zu viert einfach einfacher geht und „fegen ab wie d`Sau“. Zum Beispiel beim diesjährigen Klüpfel Open-Air. Dass danach das Publikum polarisiert war, nehmen sie in Kauf. „Wir provozieren bewusst! Nicht wie Marilyn Manson, der schon alles wieder fein kalkuliert“. Sie provozieren, weil sie nach Lust und Laune das Bühnenoutfit ändern, mal mit Federboa, wenn sie so drauf sind, dann wieder nicht und arbeiten in den Textpassagen bewußt mit den uralten Rock`n`Roll-Klischees, die sich die zwei Stimmen im Dialog um die „Wir machen uns doch nicht den Turbo-Kopf!“-Ohren ballern. „Wir sind auf der Bühne immer in Bewegung, weil es Spass ist und sein muss. Das Leben ist viel zu ernst, da müssen wir nicht die Weltverbesserer abgeben. Dass viele nicht wissen, dass wir aus Spaß mal Status Quo markieren, macht doch nichts. Wir sind keine massenkompatible Band!“ Sie sind aber, wenn man ihre erste Demo-CD hört, auch keine Comedy-Truppe, denn der gemeinsame Nenner ist die Ernsthaftigkeit (nee- nee, das ist kein Widerspruch) und das Axiom, sich zu unterscheiden.
Das macht wohl auch den Erfolg aus, der sich ohne großes Zutun der Band immer mehr einstellt. Nach all den Schreibtisch-Retorten will man anscheinend wieder Bands hören, deren Musik kickt. Zig Jahre gemeinsames Rocken dreht bei den Ventilatoren die Klischees durch den band-typischen Soundwolf. Mit Ollie von Blue Manner Haze und Markus vom Trinitus Tonstudio können sie es sich vorstellen, den nächsten Karriereschritt zu gehen. „Wir warten, wer auf uns zukommt“. Das ist nicht überheblich, sie sind ja nicht neu im Business und machen sich nichts vor. „Wenn was geht, wir sind flexibel und auch glaubwürdig!“ Kein Wunder, dass Motorhead oder AC/DC u.a. ihnen näher stehen als die Backstreet Boys.

Aktueller Hörgenuss: ¼ a hard rockin`- she satisfaction“ mit „Get it away“, einer Liebeserklärung an den besten Schauspieler: Steve Mc Queen

rigoros

(Quelle: Zentralnerv Ausgabe 088)