Bach drei Barden

eine Band

Das gibt’s doch gar nicht! Drei Barden tun sich zusammen, schon haben sie einen prallen Terminplan, da kann jede andere Band neidisch werden. Nun, was ist dran an Bach? Ach, die wollen gar nicht Liedermacher sein. „Drei Barden ... Sie erwarten typische Liedermacher, die tiefsinnig mit ihren Gitarren auf Barhockern sitzen?“ ist die erste Frage aus dem Infoblatt. Rick Roth hat nachgehakt, bevor Stefan Kugler, der nebenbei noch bei Rockin`Radio moderiert und Marcus Woloschik, der auch schon Wibke Hott unterstützte, mit Armin W. Bach zum nächsten Gig aufbrachen. Neben der Liedermacherei war auch die Arbeitsweise und der Erfolg der Band Thema.

Puristen bekommen bei uns den Herzkaspar. Barden, Liedermacher, Müller oder was?

Wir blicken kurz zurück. Nachdem die drei Barden von Bach schon bei der Art-Rockgruppe Baku zusammenspielten, trennten sich zunächst mal ihre Wege, aber irgendwie kamen sie wieder mit Armin W. Bach zusammen, der sich zwischenzeitlich mit Langer Bach auf eine ausgedehnte Konzertreise begeben hatte und so ganz nebenbei die Rockoper „Buckel Pickel“ schrieb. Das neue Projekt schlug beim Publikum sofort ein, die Frage stellt sich einfach: Wie definiert ihr eure Musik, die euch einen vollen Terminkalender beschert? „Es ist ja so“, argumentiert Kuki, „dass die Leute, wenn sie an Liedermacherei denken, an Intellektuelle denken, die auf Barhockern sitzen und den Zeigefinger erheben. Wir sind keine Weltverbesserer, präsentieren aber Texte mit Tiefsinn, wir präsentieren uns locker und vermitteln Spass. Der Begriff Liedermacherei ist so weit wie der Begriff Rockmusik. Es gibt Tausend Schattierungen. Im Fraunhofer in München war das Publikum zum Teil total interessiert, die Puristen bekamen fast einen Herzkaspar.“ Und wenn Marcus das lange Haar bewegt, glaubt man ihm, dass bei Bach auch gemoshed wird. Bach spielen in ihrem Set nicht nur die neuen Songs aus der CD „Käpt`n Käpt`n“, sondern auch Stücke aus der Baku-Vergangenheit. Für Bach ist der Song, die Stimmung des Songs und der Text das Wichtigste. Sie erarbeiten einen famosen Satzgesang, bieten live viel Rhythmus, lassen aber Improvistationsteile oder nervtötende Feedbackorgien weg. Nach Aussagen der Interviewpartner ist ihre besondere Mischung das Rezept, das auch das Rockpublikum anspricht, wie bei einem Festival in Burgkunstadt zu erleben war, wo die Akustikrocker den Rockbands, was den Publikumszuspruch anging, Paroli bieten konnten. Einen Trend, der nach den stumpfen Dancebeats wieder leisere Töne bevorzugt, wollen sie nicht ausmachen. „Es ist unser Spielwitz! Wir erreichen sicher nicht Kids mit unserer Musik, aber Leute, die Unterhaltung wollen und aus einem 3-stündigem Programm eben vieles herausnehmen können, jeder wird da etwas Anderes finden“, meint Marcus.

„Ich wehre mich gegen die Schablone Irish-Folk“ (Stefan Kugler)

„Es wird gemoshed, wenn es die Musik erlaubt, wie bei „Rose of the nightingale“ (Marcus Woloschik)

BAKU ist immer noch im Hintergrund

Während die drei Barden heute mit einem Kombi zu einem Gig fahren, in einer halben Stunde das Equipment für eine gute Performance aufgebaut haben, ging man bei Baku, die Band ist bei Veranstaltern, Fans und bei den Barden selbst immer noch im Hinterstübchen (Kein Wunder, denn alle drei Musiker waren Baku-Mitglieder), vom Folk-Trio zum Artprojekt. Man holte zunächst einen Schlagzeuger, dann ein Keyboard, spielte Konzeptalben ein und präsentierte live eine Bombastshow mit 2 Trucks voll mit Requisiten, Kulissen und Equipment. „Nach einer ausgedehnten Bosnientour war dann die Luft raus“, sagen Marcus und Stefan. „Bitte wertet es nicht berechnend, wenn wir jetzt unser letztes Abenteuer mit selbstgemachter Handmusik durchziehen und im Moment einfach nicht den Aufwand mit einer Konzeptshow betreiben wollen. Prinzipiell kann man von Musikmachen leben. Ich halte aber nichts von Profis, die am 15. des Monats nicht mehr wissen, wie sie die Miete bezahlen sollen.“

„Trotz aller Realität bleibt man als Künstler Träumer“ (Stefan Kugler)

Kommen wir zurück. Bei Baku war die Luft raus, obwohl nach der Auflösung des Projekts nochmals eine Anfrage aus Ägypten auf den Tisch flatterte und ein Riesenangebot unterbreitet wurde. Baku hätte, wären da nicht die zahlreichen Übergriffe von Fundamentalisten auf Touristen gewesen, bei einer Riesenfete vor den Pyramiden von Giseh aufspielen sollen. Die Fete fand nicht statt. Vielleicht war es gut so, obwohl....

Mit „Käpt`n Käpt`n“ auf Kaperfahrt

Obwohl Bach in den Songtexten Metaphern liebt, ist die Tour 2000 mit der neuen Demo-CD ganz konkret. Eine Tour muss einen Tournamen haben und nach der „Schweppes-Tour“ geht es also nun auf Kaperfahrt quer durch die Lande und bis nach Wien. Warum also Kaperfahrt, wollte ich wissen. Da stellt sich heraus, dass Kuki ein Nordlicht ist und schon immer einen Hang zu Shanties hatte. Armin schrieb deshalb für ihn den „Käpt`n-Song“, der dann, als man ihn im Studio einspielte, gleich mehr Qualitäten entwickelte und so zum Titelsong avancierte und auch CD-massenkompatibel klingt. Die drei Barden, die mit ihrem Konzept Neuland betreten haben und ohne Schlagzeug akustisch rocken, wollen auf der Tour 2000 „keine Gefangenen“ machen und „einfach bloß Spaß“ haben. Und wenn sie dann 5-6 Stunden nach einem Gig wieder in den Alltagsjob stiefeln und irgendwann mal auch platt sind, auch den Verschleiss spüren, der durch die Arbeit rund um die Band entsteht, dann wird eines Tages auch das letzte Abenteuer durchlebt sein und ein Leben neben der Musik beginnen. Glauben kann ich es nicht, denn Bach sind Individualisten, die sich musikalisch toll ergänzen, Ehrgeiz entwickeln und nach der Kaperfahrt mit fetter Beute in den Hafen einlaufen, anlegen und kurz drauf doch wieder ins Meer der neuen Hoffnungen aufbrechen werden.

rigoros

(Quelle: Zentralnerv Ausgabe 089)