Irgendwie muss Nürnberg für Los Angeles so etwas sein wie ein Magnet. Neben Sean Marcellino von Seven Eleven kommt auch Quincy Phelps, der sich selbst als „Mittler in der Mitte“ einer Band sieht, aus dieser Musiker- und Filmmetropole und schon sein Dialekt aus Amerikanisch und Fränkisch verrät, dass er sich in Franken nach fast 20 Jahren doch heimisch fühlt. Rick Roth traf den Magier am Bass, wie ihn die NN bezeichnete, in ganz branchenunüblichem Ambiente, nämlich in einer Wohnküche in Fürth beim Spaghettiessen.
Music from the heart
Der in Chicago geborene und in Los Angeles aufgewachsene Teufelsbassist, dessen erste Liebe die Bassgitarre (er spielt am liebsten auf einem 6-string-Fretless-Bass), dessen 2. Liebe das Schlagzeug ist und der mit den Keyboards zumindest liebäugelt und dessen ganz große Liebe die Musik selbst ist, kam als 19-jähriger GI nach Good Old Germany. In Kaiserslautern schloss er sich der Showband Entertainment Showcase an und tourte mit dieser Combo drei Jahre lang durch ganz Europa. War es Heimweh oder irgendetwas anderes, Quincy kehrte in die Staaten zurück und wollte dort eine Band gründen, die er nach Europa holen wollte. Dieser Versuch schlug fehl. Also kam er nach Deutschland allein zurück, weil „in Amerika gibt es Tausende von Bassern mit gleichem Talent, hier ist die Konkurrenz nicht so groß“. Und er betont, dass das weder eine Abwertung noch eine Aufwertung ist, sondern einfach die Realität. „Ich könnte Van Halen nachspielen, aber ich will Musik machen, die aus dem Herzen kommt, aus meinem Herzen. Meine Motivation ist es zu spielen, Geld steht da nicht im Vordergrund, obwohl ich als Musiker eben auch Geld verdienen muss. Auch muss ich nicht bekannt werden, aber ich brauche Clubs und Mitmusiker, wo ich die Musik spielen kann, die in meinem Herzen ist.“
„Ich danke Gott für mein Talent“
Du brauchst eine Aufenthaltsgenehmigung
Quincy Phelps, der bei Stanley Clark Unterricht nahm und an der Dick Grove School in Studio City nahe des San Fernando Valleys bei L.A. Bassgitarre studierte, hatte sofort nach seiner Rückkehr nach Deutschland jede Menge Studiojobs. In Bamberg in einem Studio lernte er Richard Towbridge aus Bristol kennen, der ihn erst vier Jahre später zu T Bridge holte. 1999 veröffentlichten T Bridge (mit Joe Healy, Michael Schleinkofer und Axel Dinkelmeyer) unterstützt von Gastmusikern wie Jo Barnikel, Jose Cortijo und den Lewinsky Horns (Ralf Bauer, Roland Horsak, Thomas Schöfer) „Homemade Blues“. Quincy ist seit 1994 mit Unterbrechungen auch mit Vacancy unterwegs, spielt beim Isa Rey-Morales`Project und gehört zur Crucial Gang, einer Reggae Band, die in Dinkelsbühl die Fans vom Hocker holt. Bevor er aber als gefragter Live-Bassist - bei seinem Können kein Wunder - touren konnte, war das größte Problem die Aufenthaltsgenehmigung.
„Der Bass steht in der Mitte von der Melodie und vom Rhythmus“
Stranded
Strandgut ist Quincy Phelps nun keineswegs! Eine Rückkehr nach Amerika kann er sich aber fast nicht mehr vorstellen. Nicht nur weil Quincy hier Musiker gefunden hat, die die gleiche Chemie haben, z.B. wie Robby und Jürgen von Vacancy, auf deren CD „Stranded“ Phelps einen Titel mit eingespielt hat, sondern weil ihm Großstädte verhasst sind und er Ruhe sucht. „Ich lebe gern auf dem Lande zwischen der Kirchenglocke und dem Geruch von Kühen“. Hier sammelt er die Energie, die ihn auf der Bühne zum Energiebolzen macht und, wie er es Fränkisch ausdrückt „auf der Bühne schwitz ich wie eine Sau“. Aber da bliebt noch ein Traum: „Mit einer amerikanischen Band nach Deutschland zu kommen, das ist wohl vorbei, mit einer deutschen Band in die USA zu gehen, das ist wohl ein Traum. Erst sucht man Jahre lang die richtigen Leute, dann schreibt man seine Musik und dann kommen Leute und sagen, die gefällt mir nicht. Mein Wunsch, die Musik zu machen, die aus dem Herzen kommt und die man dann auch noch verkaufen kann, das ist hartes Business.“ Da spielt er lieber mit Ritchie aus Bristol oder mit Isa Rey-Morales als Duo auch in kleinen Clubs. Das Herz, von dem Quincy immer wieder spricht, schlägt dann besonders laut, wenn er mit T Bridge den Bluesklassiker von B.B. King „Back in L.A.“ singt.