Fee "Pearl" Kuhn - 30-Jähriges Bühnenjubiläum der Flower-Powerfrau

„Das Herz schlägt Rock“

„Yggdrasil“, Folkrock mit „Querflöte und viel Betroffenheit“ hieß ihre erste Band, den ersten Auftritt als etwa 17-Jährige bezeichnet sie selbst als fürchterlich. Mitmusiker von damals zeigten sich überrascht, dass sie weiterhin als Sängerin aktiv blieb und kaum 30 Jahre später blickt man auf eine für Nürnberg außergewöhnliche Karriere zurück. Am Anfang stand der Protest gegen die Jugend in der Vorstadt, gegen das Elternhaus, gegen das Establishment. Singen sei damals so eine Art Therapie für sie gewesen, gesteht die rotmähnige Rockröhre, und habe ihr Halt in Zeiten der Orientierung gegeben. Für den bürgerlichen Lehramtsberuf reichte es noch, aber schon die Finanzierung des Studiums durch Singen war weiter wegweisend. Tingeln durch Amiclubs in ganz Deutschland lag ihrer Leidenschaft wesentlich näher als das Klassenzimmer, die Qualifikation als Englischlehrerin diente mehr dem Schreiben von Texten.

Die frühen Bandprojekte hießen McTen, Watchtower und EKG, sämtlich an den hochpolitischen Zeitgeist jener Tage angelehnt, laut, rockig und heftig. „Wir hatten in der damaligen Aufbruchstimmung tatsächlich das Gefühl, mit Rockmusik etwas verändern zu können,“ blickt Felicitas – so ihr vollständiger Name – ohne Wehmut zurück. Das erfolgreichste Kapitel ihrer Karriere war „La Roque“. „Space Rock nannten wir das damals. Heute würde das vielleicht unter Prog-Rock laufen“, beschreibt sie das Projekt, mit dem sie um Haaresbreite den großen Durchbruch verpasste. Drei CDs habe man mit La Roque veröffentlicht, in Taiwan gelang der Sprung in die Charts. „So irgendwo um Platz 90,“ weiß sie noch, doch heute interessiert das kaum noch. An scheinbaren Kleinigkeiten wie dem weggebrochenen Kontakt zu einem A&R Manager bei Sony habe es wohl gelegen, dass der ganz große Durchbruch nicht gelang. Viele berechtigte Hoffnungen seien damals zu Bruch gegangen, 1996, nach zehn Jahren harter Arbeit an dem Stil von La Roque. Der damalige Produzent Peter Hauke hatte immerhin Peter Maffay und Jennifer Rush groß heraus gebracht.
Mit Ehemann & Keyboarder Mike, mit dem sie sich beim Komponieren schon mal in die Haare gerät, konnte sie die Enttäuschung jedoch auffangen. Es folgte die Parodie auf die 50er Jahre mit den „Sextolen“ als Kontrastprogramm zur Rebellionsmusik ihrer Jugend und seit knapp zwei Jahren „Pearl – a tribute to Janis Joplin“. Mit letzterem Projekt macht die Rocklady, die für ihren expressiven Gesangsstil und das raue Timbre in der Stimme bekannt ist, Furore in der Nürnberger Rock und Bluesszene. Die Bühnenshow ist extrovertiert und einmalig und stellt schon deshalb etwas besonderes in regionalen Musikerkreisen dar. Aber gerade der Geist von Janis ist es, den sie perfekt zu transportieren versteht. Die „Grande Dame des Flower-Powerrock“, die auch noch heute problemlos ins Hippie-Outfit von damals passt, verkörpert die absolute Reinkarnation von Janis, wenn sie den lieben Gott um einen Mercedes Benz bittet. So beweist sie einmal mehr, dass echte Rockstars eben nie sterben.

Nur eines bemerkt „Pearl“ Kuhn schelmisch grinsend, in Erinnerung an die wilden Sechziger: Männliche Groupies gebe es so gut wie nicht im Showgeschäft – und fügt schnell an, als Ehemann Mike in Hörweite kommt, das habe sie so von Kolleginnen gehört....

Ted Hertle

(Quelle: Zentralnerv Ausgabe 099)