Smokestack Lightnin` auf dem Weg in die neue Country-Welt
Gerade von einer Belgien-Tournee zurück, die mit einem Konzert zusammen mit Walter Broes im Nürnberger K4 endete, stehen die Gründungsmitglieder von Smokestack Lightnin` in der Musikzentrale dem Zentralnerv Rede und Antwort. Die Countryband, mit „Soulbeat“ und „14 Faves from the roots“ äußerst erfolgreich auf dem Plattenmarkt, wurde 1995 von Sänger und Upright-Bassist Bernie Batke und Trommler Michael Kargel in Schwabach gegründet und hat sich in den wenigen Jahren in ganz Europa zu einer Clubgröße gemausert. Im Dialog machen sie klar, dass sie wissen was sie wollen und vor allem wohin sie wollen. Da ist es nicht unverständlich, wenn die Amis und die Heimat des Country-Sounds schon jetzt heiß auf die „roots-Musik“ made in Franken, sind.
Auf die provokante Frage hin, ob man denn heute mit Countrysongs nicht mit fragwürdigen Klischees zu kämpfen hat, Gefahr läuft, als nicht up-to-date oder gar als politisch rechtslastig eingestuft zu werden, kontert die Rhythmussektion charmant, entspannt und differenziert, dass der Retrotouch mit Kontrabass nicht ihr Ding sei. Dass sie die Menschen, die mit Cowboy-Kluft und Wohnmobil den Feierabend-Western beim Country-Festival ala Strohmeyer zelebrieren, nett finden, verstehen können, aber sie musikalisch keineswegs im Kielwasser des Truck Stop-Kultes schwimmen. Der Countrysound ist heute beliebter denn je und legaler Bestandteil der Popmusik. Bernie: „Madonna hüpft doch auch mit Cowboy-Hut auf der Bühne herum oder auch Bono von U2!“ Nein es geht ja viel tiefer. Bob Dylan bedient sich auf „Love and theft“ der echten Countrymusik. Altmeister Johnny Cash hat mit „America III: Solitary Man“ ein außergewöhnliches Album vorgelegt und viele Popbands wie Blumfeld, Calexico oder Fink bedienen sich der Country-Stilistik.
„Der Mann hat totale Finten! Ein Blatt Papier, in die Gitarre richtig eingefädelt, klingt wie Maracas.“ (Bernie Batke über den Smokestack-Produzenten Walter Broes)
Die beiden Plattensammler, Liebhaber und Hörer von Vinyl aus den 50er und 60er Jahren sind vom analogen Sound und von der Atmosphäre der Platten von Carl Perkins, Elvis Presley und vielen unbekannten Größen des frühen Rock `n` Roll und alten Bluesern begeistert. Angetan vor allem vom „spirit“, den die Musiker in die Rillen schnitten, sind sie hingerissen und inspiriert. „Immer weiter graben und sich weiter einlassen und sich dann selbst weiterentwickeln“ (Mickey Kargel) heißt ihre Devise. Zusammen mit Frieder Graef, Wolfgang Bub und seit 1998 mit Jochen Pfister am Piano wurde nach der EP „Girl on the billboard“, diversen one-track-Veröffentlichungen in Antwerpen im Vitanova Tonstudio das Full-Lenght-Album „Soulbeat“ mit einer Menge von Gastmusikern eingespielt, das die Alternative-Root-Band durch ganz Europa tingeln ließ.
Warum in Antwerpen? Als der Rockabilly-Höhenflug zu Ende ging und die Brewsters aufhörten, hatten die beiden Masterminds natürlich einen ganzen Sack voll mit Kontakten zu dieser Szene geknüpft. Man traf auf den Musiker Tjarkomol, der Walter Broes von den Seatsniffers empfahl. Nach den Probesessions in seinem Studio und ein paar Overdubs war klar, dass „ das feine Ohr und die Arrangement-Einfälle, das cajun-feeling“ dieses Produzenten sowie die Studio-Atmosphäre und das analoge Equipment genau das waren, was der Sound der Smokestacks wollte. Zu den drei Studiosessions kamen, wie es so üblich ist, dann auch noch so Kapazitäten wie Rene van Barneveld (Urban Dance Squad) oder Pete de Houwer und Henk Vandersypt vorbei, die den „Style of alternative country“ mitprägten. „Boozoo Bajou“- Peter Heider konnte ein Album mastern, das auch das Ami-Ohr überzeugt. Der deutsche Rolling Stone, Intro u.a. Musikmagazine nahmen die Platte wärmstens auf. In Franz Dobler`s „Auf des toten Mannes Kiste“ wurde Smokestack Lightnin`zum Erzählstoff.
Ganz normal ist es mittlerweile, dass man jährlich drei bis viermal durch Belgien tourt man in Clubs wie im „Crossroads“ in Antwerpen schon so was wie eine Hausband ist. Sensationeller ist es für die Band schon, dass man beim renommierten Hemsby-Festival in England gastierte und dass im April 2002 eine vierwöchige USA-Tour bereits fest gebucht ist und die Franken beim „Las Vegas-Roots-Festival“ auftreten werden. Doch bevor man in die Staaten aufbricht, wird erst mal fleißig am eigenen Songmaterial gefeilt, denn die nächste CD mit überwiegend eigenen Songs ist schon angepeilt. Das geeignete Studio, wo der „Raum, der klingt“ stimmt, die richtigen „alten Mikrofone“ vorhanden sind und das „analoge Equipment“ passt, damit „die Produktion auf keinen Fall steril“ wird, ist noch nicht gefunden. Schaun mer mal!