CRIPPLE CREEK BAND

It´s Time to Win

oder: Wie ist das jetzt mit Country?


Bernie Paptistella, Erhard Hügel, Mike Gerst, Ernest Ray Everett und Helmut Limbeck – zusammen sind sie die Cripple Creek Band, kurz CCB. Eine Gemeinschaft von fünf Musikern aus dem nordbayerischen Raum (mehr oder weniger oder mittlerweile jedenfalls) und mit einer Bandhistory, die bis in die 80er Jahre zurückreicht. Doch dazu später mehr...

Bei der Frage nach den musikalischen Wurzeln der CCB kommt man um Country, Blues, Bluegrass, Irish, Rock, Hard Rock und Funk nicht herum. Bei ihren eigenen Songs denkt man sofort an eine moderne, auf jeden Fall aber amerikanische Band. Dennoch: Die Musik der CCB ist sehr schwer einzuordnen. „It´s a melting-pot of good music“– ein Schmelztiegel vieler Musikrichtungen, Grooves und Styles. Am Schluss aber kristallisiert sich immer dieser ganz eigene, unverwechselbare CCB-Sound heraus.

Die Sache mit dem Hut
Die Jungs möchten gerne dem Lagerfeuer-Klischee ausweichen und verstärkt auf der Kultur- und Konzertschiene ernst genommen werden. Dafür arbeiten die fünf mit voller Kraft, suchen nach neuen Auftritts- und Präsentationsmöglichkeiten. Nebenbei bemerkt: Sobald sie keine Cowboyhüte tragen, fahren auch Leute, die nichts mit „Kauntrie“ am Hut haben, auf ihren Sound ab. Kommen dann die Hüte zum Einsatz, schauen die gleichen „Nichtkauntries“ schon mit gemischten Gefühlen zur Bühne. Genau umgekehrt verhält sich die Sache beim eingefleischten Country-Publikum: „Oben ohne“ ist die Musik oft „zu rockig oder poppig“, mit Hut ist die Welt dann wieder in Ordnung, denn CCB ist wieder Country. Der Hut macht`s also aus ... verrückte Welt.

„Bei uns in Deutschland werden bei dem Namen Country sofort die Augen verdreht. Jeder denkt dabei an Schlagerhitparade, Trucker, und Whiskey. Alles Quatsch!“ (Erhard)

Doch gehen wir mal zurück in die Geschichte dieser Band: In den 80er Jahren wurde sie von GIs gegründet. Der Name stammt aus den USA, wo es im Staate Colorado den Fluss Cripple Creek sowie eine Stadt mit dem gleichen Namen gibt. Man spielte in amerikanischen Kasernen und in verschiedenen Clubs, hatte keine professionellen Ambitionen und keine besonders hohen Ziele.
1993 jedoch reformierte sich die Band, es kamen Musiker hinzu, die mehr aus ihrem musikalischen Leben und aus dieser Band machen wollten. Es wurde härter und öfter geprobt, es wurden Regeln aufgesetzt und Disziplin geübt. Diese Arbeit sollte sich lohnen. Konzerte in Europa wurden gebucht. Auf jedem Musikfestival, Club oder Konzert überzeugte die CCB mit ihrer Show und ihrem musikalischen Können.
1995 wurde die Cripple Creek Band dann zum ersten Mal für den „Newcomer“ und „Entertainer“ des Jahres nominiert, das machte Lust auf mehr. Man wollte in die USA, am besten gleich nach Nashville oder, noch besser, gleich in die Grand Ole Opry. Viele belächelten damals dieses Vorhaben.
Im Jahre1996 wurde der Traum dann aber Wirklichkeit. Mit Unterstützung von 84 der treuesten Fans aus Deutschland und einem Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks spielte die Cripple Creek Band am Abend des 9. Februar 1996 als erste Band Deutschlands auf der Bühne der Grand Ole Opry. Was für eine Ehre, was für ein Gefühl. 20 Millionen Amerikaner hörten die 5 Jungs aus Deutschland singen. Einen Tag später nahm die Band im legendären Wilde Horse Saloon in Nashville mit dem Produzenten Dean Sams ihr erstes Livealbum auf (Dean Sams ist als Keyboarder der Megagruppe „Lonestar“ bekannt, die mit dem Song „Amazed“ sogar in Deutschland die Charts stürmte). Selbst beim Rückflug von Atlanta nach München wurde die CCB auf dem Flughafen erkannt und um Autograme gebeten. Die Amerikaner liebten die „Crazy Krauts“.

„Wir lieben unsere Fans, unser Publikum, denn ohne die da draußen spielst du für vier Wände.“

Nach ihrer Rückkehr wurde die Band in Deutschland von verschiedenen Musikmagazinen, Fernseh- und Radiostationen gefeatured. Der BR 3 strahlte ein paar Wochen nach der Reise einen 20 Minuten langen Dokumentarstreifen aus. Ein Besuch beim Major Label BMG Ariola sollte der Band Hoffnung auf den großen Durchbruch geben, aber daraus wurde nichts. Im Hause Ariola war man der Meinung, dass die CCB deutschsprachige Countrymusic machen sollte, der die Band aber nicht zustimmte und somit kein Plattenvertrag zustande kam.

„Wir spielen die Musik die wir lieben und fühlen, nur so können wir glaubwürdig und ehrlich bleiben und die Fans überzeugen.“ (Mike)

Ab dem Jahre 1997 kam es dann Schlag auf Schlag: „European Newcomer of the Year“, „Band of the Year“ und beim Truck Grand Prix der „Goldene Truck“. Nach vielen Proben und Touren war die Cripple Creek Band im Oktober des Jahres 1998 für die zweite USA-Reise bereit, nach Las Vegas sollte es gehen. Mesquite, ein Vorort von Las Vegas, war für die Band der erste musikalische Schritt in die heiße Wüste von Nevada. Sie gaben Ihr Bestes wie „ein musikalisches Uhrwerk, das nicht zu stoppen ist“, bemerkte ein Zuschauer in der Lounge vom „Virgin River Casino“.

„In den Casinos lernt man richtig Musik spielen, es ist das härteste Trainingslager für Musiker.“ (Bernie)

Die Cripple Creek Band bestand die Prüfung und flog im Februar des Jahres 1999 wieder über den großen Teich in die USA. Die Zeiten sollten sich aber ändern: Durch den Verlust von Steve Olson, der sich im Herbst 1999 einer Herzoperation unterzog und nicht mehr auftreten konnte, erlitt die Band einen Rückschlag. Diese Zeit war für jeden Musiker in der Band eine der härtesten Prüfungen. „Halten wir zusammen oder brechen wir auseinander“, diese Frage stellte man sich 1000 mal. Sie hielten zusammen.
Zu viert, von Verzweiflung geplagt, tourten sie weiter und suchten nach einem fünften Mann. Im März 2000 kam Helmut Limbeck dazu (ein virtuoser Mandoline- und Bluesharpspieler) und im März 2002 Ernest Ray Everett aus Jackson/Mississippi für den im Dezember 2001 ausgeschiedenen Roland Heinl.
Es entstand eine mit neuen Kräften ausgestattete Cripple Creek Band und genau hier knüpft auch das Motto der aktuellen Tour an: „It`s Time to Win“. Wer die 5 Jungs jetzt sprechen, lachen und spielen hört, weiß sofort, dass Sie es ernst damit meinen.

H.E.M.

(Quelle: Zentralnerv Ausgabe 102)